Svalbard Kronprinshallet Position Report





Date: 2026/07/29 16:07 Latitude: 79-16.94N Longitude: 11-51.14E Comment: Svalbard Kronprinshallet,beautiful summer weather amidst glaciers

Die Winggis 42 im Eiswürfelbad

Ankerplatz Hornsund

Während in der Heimat alle schwitzen badet die Winggis 42 in Eiswürfeln. 

Landgang_Hornsund
Landgang_Hornsund

Into the Arctic Ice

Wir sind endlich auf Spitzbergen angekommen. Aber zuerst zurück nach Norwegen. 

Frisch repariert nach Norden

Nachdem wir unsere Zylinderkopfdichtung in Harstad erfolgreich gewechselt hatten und Luki, unser Freund aus der Schweiz zugestiegen ist, ging unsere Reise weiter in den Norden.

Zwischen diesen Schneebergen hindurchzufahren erschien uns fast wie auf dem Vierwaldstättersee. Ausser das plötzlich runderhum eine ganze Gruppe von Walen vorbeischwamm. Wir fanden wiederum diesen kleinen Steg ohne Landanschluss kurz vor Tromsø. Er wird vom Bootsclub Tromsø betrieben und auch die Hütte darauf war liebevoll eingerichtet. Natürlich haben wir sofort den Holz-Grill in Betrieb genommen und unsere Koteletts grilliert. Die Hütte haben wir auch gleich eingeheizt und unser Nachtessen mit Blick auf den Sund konnte nicht besser gewesen sein. Abends kamen sogar zwei Polarfüchse ans Ufer und wir konnten sie aus nächster Nähe beobachten. 

Der erste Anlauf scheitert

In Tromsø hatten wir nur einen kleinen Zwischestopp eingelegt, Wasser gefüllt, nochmals Einkaufen gegangen und uns bei der Polizei abgemeldet. Über Torsvåg ging es nun Richtung Spitzbergen – jedoch gelang uns der 1. Versuch nicht – der zunehmende Wind zusammen mit den Wellen gegen die Strömung war ein sehr unangenehmer Kurs und so entschieden wir uns nach 20sm wieder umzudrehen und uns nochmals zu sammeln. Wir wollten auf ein besseres Wetterfenster warten. 

Tromsoe-Svalbard
Tromsø-Svalbard

In dieser Zeit schlängelten wir uns weiter der Küste entlang bis nach Hasvik auf Sørøya. Für Luki war die Zeit bereits zu Ende und er flog von dort wieder zurück in die Schweiz. 

Eine ungeplante Woche in Hasvik

In Hasvik lernten wir lokale Fischer kennen die uns sehr wertvolle Informationen bezüglich der Barentsee mit Wellen und Strömungen geben konnten. Wir verbrachten eine ganze Woche in Hasvik, wurden mit Königskrabben beschenkt, haben den Fischern Schweizer Raclette serviert, wurden von Ahmed, dem Bigfishadventure Boss zum Fischsuppenessen eingeladen und assen abends mit Joachim & Anne von der Segelyacht Leoa spontan auf der Winggis 42 noch die Resten der Fischsuppe. 

Traumtage im Seiland Nationalpark

Nach einer Woche ging es für uns in zwei kleineren Etappen Richtung Hammerfest. Wir ankerten im Nationalpark Seiland und fingen soviele Fische wie nie zuvor. Die steilen bis an die Spitze grünen Felsen haben uns für drei Tage gefesselt – es war sooo schön. 

und plötzlich ein Wetterfenster

In Hammerfest angekommen, studierten wir nochmals das Wetter und tatsächlich stand ein gutes Wetterfenster voraus für eine Überquerung nach Spitzbergen. Spontan füllten wir unsere Wassertanks und machten uns auf den Weg. Uns war bewusst, dass wir wenig Wind haben werden und viele Motorenstunden zusammenkommen. Mit der neuen Zylinder-Kopfdichtung und sorgfältigem Service für den Motor mit neuem Getriebe welches wir letztes Jahr eingebaut hatten, starteten wir mit gutem Gefühl Richtung Spitzbergen. Wie so oft, kommt es unverhofft, wir wurden wieder einmal eines Besseren belehrt.

Hammerfest Fest
Hammerfest Fest

Schon auf 2/3 des Weges nach Bjørnøya, stellten wir fest, dass der Vorwärtsgang nicht ganz so schön wie gewohnt einkuppelt. Da es jedoch ein neues Getriebe ist, machten wir uns wenig Gedanken zum Getriebe.

Geschafft…….. dachten wir!

Der restliche Weg bestand dann aus ca. 8h Motoren und 20h Segeln. Das Gefühl den Anker nach einer kurzen Runde durch die Eisschollen des Gletschers auf den Meeresboden von Spitzbergen fallen zu lassen, war ein emotionaler Moment, geschafft!

Ankunft_Svalbard
Ankunft_Svalbard

Den obligaten Drink mit Gletschereis, auch nur gefrorenes Wasser, etwas Eisschollen wegschieben und erst mal durchschlafen. Am Morgen darauf drehte der Wind und kleinere Eisschollen klopften an die Winggis, wir verlegten in eine nahe Bucht die von grösseren Eisschollen verschont ist.

Deja-vu Getriebe

Nun kommts, Motor an, Anker hoch und Gang rein….aber eben, der Gang will ums Verrecken den Propeller nicht drehen. Erst nach ca. 30 Sekunden dann etwas Vorwärtsschub.
Das kennen wir schon vom ersten Getriebe in Schweden, entweder sind die Kupplungsbeläge durch oder beim Einfahren des Getriebes haben sich die Beläge erst mal so eingeschliffen, dass die Servofunktion die Kupplung nicht mehr richtig verbindet und durchschleift. Wie wir auch nach Rücksprache mit einem Getriebefachman vermuten, sind diese Getriebe sehr empfindlich mit den Einstellwerten.

100sm von der Werkstatt entfernt

An eine Reparatur ist kaum zu denken, weder in Longyearbyen, geschweige denn am Anker 100sm vor Longyearbyen. Nun ja, etwas funktioniert das Getriebe ja noch und wir haben ja ein Segelboot. Jetzt brauchen wir nebst einem neuen Getriebe in Longyearbyen nur noch etwas Wind. Zum Zeitpunkt in welchem dieser Text geschrieben wird, warten wir seit 7 Tagen auf eine Bestellbestätigung für das Getriebe und auf Wind.

Svalbard muss warten

Nun, wenigstens ist es schön hier und wir haben genug zu Essen, Trinken und Diesel zum Heizen. Die restlichen 99,9% von Svalbard bekommen wir dann vielleicht in 2-3 Wochen oder nächstes Jahr zu sehen.  Ob sich die Überfahrt von Norwegen nach Svalbard für eine Getriebewechsel gelohnt hat erklärt sich nun eher von selbst.

Momentan sieht es danach aus, dass wir kommenden Dienstag ein Wetterfenster haben und nach Longyearbyen kommen. Bis dann kommt dann auch hoffentlich die Bestellbestätigung.

Jedenfalls sind wir immer noch guter Dinge, denn wir haben noch 2 Monate Zeit bis sich die Wetterfenster nach Norwegen langsam wieder schliessen.

Es bleibt spannend!!!

Zwischen Polarkreis und Zylinderkopf

Polarkreis
Sandnessjoen
Sandnessjoen

Heute legen wir um 11.00 Uhr in Sandnessjøen ab. Unser Ziel ist Lovund, wo wir die berühmten Papageientaucher besuchen möchten. Vor jedem Ablegen verspüre ich eine gewisse Nervosität. Was erwartet uns heute? Bleibt der Wind wie vorhergesagt? Wo werden wir heute Abend festmachen? All diese Fragen wirbeln mir durch den Kopf.

Der Wetterbericht meldet etwa 15 Knoten Wind – eigentlich perfekte Bedingungen für uns. Doch wie so oft ist der Wind stärker als angekündigt. Zeitweise messen wir über 40 Knoten, dazu bauen sich kurze Wellen von ein bis zwei Metern auf. Lovund können wir zwar bereits von Weitem sehen, doch an ein Anlaufen der Insel ist nicht zu denken.

Wir fallen wieder ab und folgen weiter östlich unserer Route. Auch Plan B scheitert. Also steuern wir Onøy an. Durch die Hafeneinfahrt können wir ein Motorboot erkennen, doch der verbleibende Platz am Steg erscheint uns zu knapp. Im Hafen selbst hätten wir kaum genügend Raum zum Drehen. Also wird aus Plan C nichts.

Plan D und ein erleichternder Sprung

Wir entscheiden uns, durch einen engen Kanal Richtung Torshavn weiterzufahren. Dort ist es zunächst deutlich ruhiger. Doch ausgerechnet vor der Hafeneinfahrt frischt der Wind wieder kräftig auf. Der Platz ist knapp. Martin steuert die Winggis in einem 180 Grad Törn in den Hafen und kann nur noch mit dem Bug an den Steg fahren. Mit einem erleichternden Sprung über den Bug schaffe ich es, die Leine an einer Klampe festzumachen.

Puh – Glück gehabt.

Ein lang ersehnter Meilenstein

Ich bin bereits etwas aufgeregt, denn heute steht ein besonderer Moment bevor: Wir werden den Polarkreis überqueren. Fotoapparat und Actionkamera liegen bereit. Diesen Augenblick möchte ich unbedingt festhalten.

Das Wetter zeigt sich typisch nordnorwegisch. Wir haben guten Segelwind, erleben aber gleichzeitig Schnee, Hagel und Regen. Dann taucht endlich das Polarkreis-Monument vor uns auf. Wenig später ist es soweit: Wir überqueren tatsächlich den Polarkreis bei

66°33.82'N 12°41.75'E

Jetzt sind wir dort angekommen, wo wir schon so lange hinwollten. Voller Freude stossen wir mit einem typisch Norwegischen Bier (alkoholfrei) an und geniessen diesen besonderen Meilenstein unserer Reise.

Leider folgt am Abend ein kleiner Dämpfer. Martin entdeckt Hinweise darauf, dass möglicherweise die Zylinderkopfdichtung unseres Motors defekt ist. Im besten Fall muss nur diese ersetzt werden. Am gleichen Abend bestellen wir eine neue Dichtung nach Finnsnes. Dort sollten wir bis zum Ankommen des Pakets sein. Ab sofort verwenden wir den Motor nur noch kurz für Manöver.

Treffen mit Polaris Helvetica

Sailing Polaris meets Sailing Winggis 42

Endlich treffen wir Dani und Kathrin von Sailing Polaris – die beiden haben schon zwei Winter in Nordnorwegen verbracht und segelten letztes Jahr nach Spitzbergen. Sie sind jetzt wieder auf südlichem Kurs und so nutzen wir die Gelegenheit zu einem Treffen. Wir verbringen zwei schöne und interessante Tage am Steg in Krokholmen und erfahren viele nützliche Infos vom Hohen Norden. Die beiden sind seit kurzem auch die neuen Herausgeber von Norwegian Cruising Guide, einer der wichtigsten Revierführer für die norwegische Küste und unterstützt Fahrtensegler mit detaillierten Hafen- und Navigationsinformationen.

Warten auf das richtige Wetter

Wir bleiben drei Tage in Lødingen und warten auf günstigen Wind für die nächsten 30 Seemeilen nach Harstad. Die Zeit nutzen wir zum Wandern, Wäschewaschen und für die Vorbereitungen der kommenden Etappe. Bei frühlingshaften Temperaturen können wir die frisch gewaschene Wäsche sogar wieder einmal an Deck trocknen.

Am Steg helfen wir Bartel beim Anlegen – er rudert mit seinem Wikingerkanu vom Nordkapp bis nach Kristiansand im Süden. Gerne trinkt er bei uns an Bord einen Kaffee und ich durchlöchere ihn mit Fragen. Ich freue mich über diese Begegnung und mit einer Schweizer Schoggi in der Hand geht es für ihn auf die nächste Etappe.

Fallwinde im Tjeldsund

Die Sorge um die Zylinderkopfdichtung begleitet uns weiter. Den Motor möchten wir nur noch zum An- und Ablegen benutzen, bei der Gelegenheit lernen wir wieder mal wie man unter Segel ablegt und bei wenig Wind geduldig Kurs hält.

Für die Weiterfahrt müssen wir zunächst durch den Tjeldsund, wo die Strömung bis zu vier Knoten erreichen kann. Entsprechend planen wir unsere Abfahrtszeit sorgfältig und legen um 11.00 Uhr unter Segeln ab.

Der Wetterbericht verspricht zehn Knoten Wind. Deshalb setzen wir gleich zu Beginn das Grosssegel. Doch die berüchtigten Fallwinde lassen nicht lange auf sich warten. Unsere Winggis beschleunigt auf acht Knoten – deutlich schneller als gewünscht. Also wollen wir reffen. Gleichzeitig steigen die Böen auf bis zu 40 Knoten an.

Die Winggis legt sich stark auf die Seite, und wir spüren die gewaltigen Kräfte, die hier wirken. Mit vereinten Kräften reffen wir das Segel. Kaum ist das geschafft, lässt der Wind wieder nach.

Da wir schneller als geplant unterwegs waren, geraten wir etwas zu früh in den Sund und erhalten Gegenströmung. Zeitweise kommen wir nur noch mit zwei bis drei Knoten voran. Erst auf dem Weg nach Harstad nimmt der Wind wieder zu.

Der letzte freie Platz

Wir segeln bis zur Hafenmole von Harstad und lassen den Motor nur ganz kurz zum Anlegen laufen. Wir wollen nichts mehr riskieren. Darum entscheiden wir uns auch hier in Harstad die Zylinderkopfdichtung zu wechseln.

Zylinderkopf OM617
Zylinderkopf OM617

Wieder einmal haben wir Glück. Der deutsche Segler, den wir bereits auf dem AIS beobachtet hatten, schnappt uns den letzten freien Platz im Hafen weg. Als er uns jedoch mit unserem 23t Stahlschiff kommen sah, verlegte er kurzerhand an einen kleineren Fingersteg.

Am Abend plaudern wir noch mit unseren dänischen Stegnachbarn, die den Winter in Finnsnes verbracht haben. Und ungefähr alle dreissig Minuten erscheint wieder jemand vom benachbarten Motorboot, um sich unseren Flaschenöffner auszuleihen.

Nach einer chinesischen Pfanne falle ich müde ins Bett.

Päcklijagd in Finnsnes

Alle bestellten Ersatzteile sind in Finnsnes angekommen – allerdings an unterschiedlichen Orten.

Am nächsten Morgen nehme ich bereits um acht Uhr die Schnellfähre von Harstad nach Finnsnes. Währenddessen bereitet Martin den Motor für den Wechsel der Zylinderkopfdichtung vor.

Noch auf der Fähre rufe ich die Telefonnummer an, die wir erhalten haben. Der Mitarbeiter des Lieferdienstes versichert mir, dass ein Fahrer mit unserem Paket am Hafen auf mich warten wird. Ich bin erstaunt über diesen Service, denn vorsichtshalber habe ich sogar mein Fahrrad mitgenommen.

Tatsächlich steht ein weisser Lieferwagen am Hafen. Allerdings möchte mir der Fahrer zunächst einen Rucksack übergeben statt unseres Pakets. Er müsse nochmals ins Lager zurückfahren und dort nachsehen. Am besten solle ich einfach mitkommen.

Also lade ich mein Fahrrad ein und steige ein. Ob ich das in einem anderen Land auch gemacht hätte, weiss ich nicht. Aber ich wollte dieses Paket unbedingt haben.

Und tatsächlich: Das richtige Paket befindet sich im Lager. Danach fährt mich der freundliche Fahrer sogar noch zu zwei verschiedenen Rema-Filialen, wo die übrigen Pakete auf mich warten. Er wartet jeweils draussen und bringt mich anschliessend weiter.

Finnsnes Hafen

Ich bin völlig sprachlos. Keine Umstände, keine Diskussionen, keine Zusatzkosten. In weniger als einer Stunde habe ich alle drei Pakete eingesammelt. Da die Fähre zurück nach Harstad erst am Nachmittag fährt, gehört der restliche Tag ganz mir.

Eine neue Zylinderkopfdichtung

Zurück in Harstad wartet Martin bereits auf die Ersatzteile. Nach einer schnellen Begrüsung schnap er sich das neue Werkzeug und 30min später ist der Zylinderkopf ab. Mit Umlenkrollen und einem Seilzug heben wir den Zylinderkopf aus dem Motorraum und platzieren ihn auf der Küchenablage. Dort prüfen wir ihn mit einem speziellen Spray sorgfältig auf mögliche Risse. Die Dichtung ist wohl eher an einem kurzzeitigen Wassermangel gestorben welcher bei der Fehlersuche eines anderen Problems aufgetreten war.

Mit viel Geduld und Fingerspitzengefühl baut Martin die neue Zylinderkopfdichtung ein. Anschliessend montieren wir den Zylinderkopf wieder zurück in den Motor, stellen Ventile ein und prüfen alle Schrauben auf deren festen Sitz.

Die Winggis 42 glich während dem Umbau eher einem OP Saal als einem Schiff.

Am Abend kommt dann noch Lukas, unser Besuch aus der Schweiz, und wir unterbrechen die Arbeiten für heute.

Am nächsten Morgen bauen wir dann die restlichen Teile an den Motor, befüllen ihn mit Kühlwasser und er startet wie gewohnt mit seiner herrlichen 5 Zylinder Musik eines OM617.

Alessandra: Unser Motor läuft wieder! Es kann weiter gehen!

ein paar zusätzliche Einblicke über diese Etappe

Abschied und Freude

Bessakeer

Am 23.4.2026 verlassen wir nach 6 Monaten den Hafen von Stjørdal. Bei all unseren neu gewonnenen Freunden haben wir uns auf ein Wiedersehen verabschiedet. Leider gehört dies auch immer wieder dazu.

Noch vor dem Ablegen in Stjørdal wurden wir morgens überrascht: Vom Nachbarsboot bekommen wir zwei volle Säcke mit Lebensmitteln geschenkt – was für ein netter Start in die neue Saison.

Anfangs unter Motor aber bald darauf mit gerefftem Gross und Fock wurden wir dann allerdings mit deutlich mehr Wind als angekündigt aus dem Fjord hinausgeblasen. Ein heftiger Abschied – begleitet von lieben Nachrichten, die uns auf den Weg mitgegeben wurden.

Brekstad Hafen

In Brekstad legten wir im südlichen Hafen an. Leider erwies sich dieser als wenig gemütlich: sehr offen und bei der vorherrschenden Windrichtung unruhig. Nach einem kleinen Spaziergang im Hafengelände gönnten wir uns eine chinesische Pfanne mit Reis und fielen danach ziemlich müde ins Bett.


Endlich von Brekstad weggekommen

Am nächsten Tag waren wir ehrlich gesagt froh, Brekstad hinter uns zu lassen. Der Hafen war schlecht geschützt bei Südostwind, dazu kamen unangenehme Wellen von den Fähren. Keine Toiletten, keine Duschen, ein unordentlicher Steg – und dafür 30 Euro pro Nacht. Einzig positiv: Der Steg selbst war sehr robust gebaut, mit richtig grossen Pollern, welche da auch nötig waren.

▶️ Brekstad Easter Hopping mit Wellen übers Heck

Wir segelten etwa 10 Meilen bis nach Storfosna – leider ohne jeglichen Fangerfolg beim Fischen.

In der Nacht wurden wir plötzlich von einem Alarm geweckt. Vielleicht das neue Garmin-GPS mit aktiviertem Ankeralarm? Halb verschlafen entdeckten wir jedoch am alten Kartenplotter eine MOB-Meldung (Mann über Bord). Wir schalten unser Funkgerät ein und schauen auf die umliegenden AIS Signale. Alles scheint in Ordnung zu sein, vermutlich ein Fehlalarm. Wir beobachten die Lage noch eine Weile und stellen dann das Gerät ab und gingen wieder schlafen – ein kurzer Gedanke an den Seehund vom Vorabend und wir fanden schnell wieder in den Schlaf zurück.

Am Morgen funktionierte nach einem Neustart die Elektronik wieder einwandfrei. Um 09:00 Uhr legten wir ab. Zunächst mussten wir um eine Insel motoren – der Motor wurde dabei ziemlich heiss, was natürlich immer für Nervosität sorgt.

Diese Mischung aus Spannung und Ungewissheit gehört einfach dazu: Wie wird der Tag? Wie entwickelt sich der Wind? Reicht die angegebene Wassertiefe von zwei Metern in der nächsten Bucht oder brauchen wir Plan B?

Mit gerefften Segeln liefen wir dann schön mit 5–7 Knoten Richtung Åsen – eine kleine, idyllische Insel mit einem Leuchtturm, den man sogar mieten kann. Nach einem Spaziergang kümmerten wir uns um unsere Ankerkette und legten sie am Steg aus, um die Markierungen neu zu bemalen. Am Vortag waren plötzlich 60 Meter Kette draussen gewesen – die 20-Meter-Markierung war schlicht nicht mehr erkennbar.

Zum Abendessen gab es statt Riz Cazimir eine leicht improvisierte Variante – Brokkoli und Rosenkohl mussten unbedingt auch noch verarbeitet werden.


Auf nach Bessaker

Am Morgen ging es weiter Richtung Norden. Kaum draussen, konnten wir die Segel setzen. Anfangs ging es nur langsam voran – etwa 3 Knoten bei wenig Wind. Doch nach rund zwei Stunden frischte es deutlich auf, und es blies kräftig aus dem Fjord hinaus. Also wieder: Fock setzen, Gross verkleinern.

Unterwegs sahen wir ungewöhnlich viele Fischerboote und Fischzuchten. Als der Wind kurz nachliess, versuchten wir erneut unser Glück beim Fischen – wieder erfolglos. Mit der Schleppangel hätten wir eigentlich fast anhalten müssen, um den Köder tiefer zu bringen. Aber bei diesem schönen Segelwind wollten wir das nicht, weshalb der Jagderfolg auch aus blieb.

Wir wechseln uns mit Steuern von unserem Innensteuerstand ab und geben dem Autopiloten etwas Pause.

Unser Ziel war Bessaker. Kaum angekommen, rief uns eine Dame zu, dass wir nicht an „diesem“ Steg anlegen dürften – er sei für ihre Gäste reserviert. Wir könnten aber den Steg dahinter nutzen. Ganz klar war die Situation für uns zunächst nicht, doch sie kam extra zu uns und half freundlich beim Anlegen.

Später erfuhren wir: Sie ist Deutsche und betreibt hier eine Anlage für Angeltouristen. Viele Gäste kommen speziell zum Fischen hierher.

Im kleinen Laden vor Ort meldeten wir uns für den Gästesteg an. Schon beim Eingang: ein kleines Café, dazu alles, was man braucht – und einiges, was man eigentlich nicht braucht. Der Steg war kostenlos, Strom hätte 100 NOK pro Nacht gekostet. Da wir aber genug Strom über unsere Solaranlage bekommen, konnten wir umsonst liegen.

Wir gönnten uns einen Kaffee und eine Zimtschnecke – genau richtig.

Bessaker

Treppen, Aussicht und Abschied

Am nächsten Tag ging es sportlich weiter: eine Treppe mit rund 1000 Stufen führte auf einen 145 Meter hohen Berg, den Vatten. Schnell waren wir oben – und wurden mit einer atemberaubenden Aussicht über die unzähligen vorgelagerten Inseln belohnt. Der Wind blies auch hier kräftig und das Geländer war nicht umsonst gebaut.


13. April – Weiter nach Småværet

Heute hiess es wieder Abschied nehmen von Bessaker. Ich brachte dem Ladenbesitzer noch eine Schweizer Schokolade vorbei – als Dankeschön dafür, dass er uns am Vortag so viele leere Jakobsmuschelschalen geschenkt hatte. Alessandra’s Schwester Patricia möchte damit im Sommer ihren Balkon dekorieren.

Zusätzlich bekamen wir ein kleines Rezeptheft – wie man Jakobsmuscheln richtig zubereitet. Und wir wurden herzlich eingeladen, auf dem Rückweg wieder vorbeizukommen.

schön wenns lauft

Dann ging es weiter: mit 10 bis 35 Knoten Wind aus Südwest segelten wir durch die Inselwelt nach Norden. Mit gerefftem Gross und nur der Fock zog unsere Winggis zuverlässig dahin.

Ich stand draussen am Steuer, während Martin die Segel trimmte. Noch befanden wir uns im geschützten Fahrwasser zwischen den Inseln. Durch den ablandigen Wind entstanden praktisch keine Wellen – perfektes Segeln.

Småværet

Unser Ziel: Småværet, ein kleiner, geschützter Hafen weit draussen. Trotz Gegenwind legten wir gegen 16:00 Uhr mit Unterstützung von einem Einheimischen am Gästesteg an.

Wir bleiben zwei Nächte – zuviel Wind um durch die Folda zu segeln. Ein Gebiet mit ungemütlichen Wellen wenn der Wind zu stark ist. Leider verlieren wir beim Fischen am Steg den Köder und es gibt immer noch keinen Fisch. 

Weiter Richtung Sandnessjoen

Über Rørvik und Bronnoysund geht es die nächsten zwei Tage mit super Südost Wind weiter nach Sandnessjoen. Für Alessandra geht es von hier für eine Woche in die Schweiz während Martin unsere Winggis 42 hütet. 

Seven Sisters bei Sandnessjoen

Havila Polaris

Havila Polaris

Da ich meinen Flug von Trondheim nach Zürich bereits schon vor längerem gebucht hatte, entschliesse ich mich  mit dem Havila Schiff , das ist die Konkurrenz vom Hurtigruten Schiff – in zwei Tagen und 1 Nacht von Sandnessjoen nach Trondheim zu fahren.

Die Fahrt war sehr imposant, vor allem weil man einfach höher die ganze Gegend anschauen kann. Das Schiff war nicht mal 1/3 ausgelastet und so genoss ich die Fahrt in vollen Zügen und erfreute mich, mal etwas ganz anderes zu machen. Die Nacht  in der Innenkabine war allerdings nicht sehr erholsam, da ich es nicht gewohnt war quer zum Schiff zu schlafen. 

Ich komme morgens um 6.30 in Trondheim an und konnte  glücklicherweise erst um 0800 auschecken. Da mein Flug in die Schweiz erst am  nächsten Tag geplant war, konnte ich eine Nacht bei Mari & Søren in Stjørdal übernachten. Ich werde mit gutem Essen verwöhnt und geniesse den Tag. Am Nachmittag besuche ich auch Claudia & Jürgen Kirchberger im Hafen, sie sind mittlerweilen auch wieder auf La Belle Epoque und bereiten ihre Weiterfahrt vor. 

Und jetzt geht’s zuerst eine Woche in die Schweiz und darauf freue ich mich sehr. 

Gerne teilen wir auch hier unsere aktuellen Schiffsdaten mit Temperaturanzeige des Wassers, der Innen – und Aussentemperatur und natürlich des Motors und Getriebe.

Und die dazugehörende Statistik.

Norwegischer Winterhafen, Stjørdal

Winterhafen

Bei schönstem Wetter angelegt in Stjørdal , war erstmal vieles neu für uns: der Hafen, die Strassen, die Umgebung und vor allem die netten Leute. Wir wussten nicht genau, wie lange wir bleiben würden – nur, dass es erstmal der richtige Ort für den Winter ist.

Flugticket gegen Auto getauscht

Im September mussten wir dann auch wieder mal in die Schweiz um materielle Angelegenheiten zu regeln und natürlich Familie und Freunde wieder zu sehen. Auch die Skiausrüstung musste für Norwegen erweitert werden und etwas Spezialproviant wie Fondue und Raclettekäse wollten wir aus der Schweiz mitnehmen. Das ganze Gepäck für den Rückflug hat sich dann so dermassen angesammelt, dass wir für den Preis von Flug und Gepäck kurzerhand ein Auto gekauft haben.

Flugticket gegen Auto

Ein riesen Glück wie wir feststellen konnten, hier in Stjødal lässt sich plötzlich sehr viel viel einfacher mit einem fahrbaren Untersatz erledigen. Skitouren, Einkäufe in Schweden und Besuchertransporte sind halt doch sehr hilfreich. In alter Manie haben wir unser neues Gefährt auch gleich mit Standheizung und neuen Winterreifen für Norwegen ausgerüstet. Nun könnten wir auch mal übernachten und vor allem dem alten Diesel etwas Wärme für den Kaltstart abgeben.

Wintermodus

Nun sind aus ein paar Wochen vier Monate geworden. Die kurzen Tage waren gewöhnungsbedürftig: Gegen 10.00 Uhr morgens wurde es hell, und bereits um 14.30 Uhr war es wieder dunkel. Der Winter hat hier seinen eigenen Rhythmus und die Sonne zeigte sich nur ganz kurz über dem Hügel. Trotzdem haben wir diese Zeit genossen – wir haben länger geschlafen als sonst und unser Boot für die nächste Saison vorbereitet. Mit unseren Plänen für 2026 ist doch einiges zu tun, wir wollen unsere Vorräte aufstocken, die Solar Panelen Träger verstärken, endlich mal die Batterien am richtigen Ort verbauen und auch unsere Doppelveglasung bei den kleinen Fenstern montieren. Das Schiff wollen wir auf Vordermann bringen damit wir unsere Pläne auch umsetzen können, dazu aber in einem weiteren Bericht mehr dazu.

Biltema Treff

Mittwoch, 12 Uhr, Biltema – Treffpunkt der Seglergemeinschaft. Hier werden Politik, Seglergarn und Kontakte ausgetauscht. So ein Biltema ist ein richtig toller Treffpunkt, dort gibts es Kaffee für 1 Stutz, Gebäck oder Pölser zum gleichen Preis. Nach dem Treffen lockt der Baumarkt zum Schlendern und man findet immer etwas das MANN brauchen kann. Fast jeden Mittwoch waren wir dabei, haben nette Leute kennengelernt, Einladungen erhalten und selbst Abende bei uns an Bord vereinbart.

Hütte in den Bergen von Selbu

Wir konnte sogar eine Hütte in den Bergen von Selbu nutzen, die Umgebung mit unseren Schneeschuhen erkunden und einfach die Stille geniessen. Im Gegenzug haben wir Schweizer Fondue und Raclette auf den Tisch gebracht und so die Schweizer Küche ein bisschen näher gebracht.

Winteralltag

RAWGYM_Wintersport

Wir wissen inzwischen, in welchen Geschäften wir was kaufen können und wie man Pakete ohne fixe Adresse erhalten kann. Auch das Fitnesscenter RAW Gym in Gehdistanz des Hafens haben wir regelmässig besucht und Marius, der Besitzer, hat uns als Gäste willkommen geheissen.

Torgkvartalet

Auch das lokale Einkaufszentrum ist nicht weit, allerdings haben wir noch immer nicht ganz den Durchblick in diesem Labyrynth. Eigentlich ist es nicht wirklich gross, aber sehr sehr verwinkelt. Dies hat den Ursprung in den Bauphasen, alle paar Jahre kam wieder ein Stück Gebäude dazu. Die Norweger meinten hierzu nur: Wir mögen das so!

Trondheim

Trondheim, die ehemalige Hauptstadt von Norwegen, hat auch touristisch und kulinarisch etwas zu bieten. Als uns Patricia und Roland besuchten, sind wir fast jeden Tag nach Trondheim gefahren, da sie dort ihre Unterkunft mitten in der Stadt hatten. Nach dem Weihnachtsmarkt und Wollknäuel-Shopping haben wir auch gleich in der Wohnung unsere Abende verbracht.

sportlich durch den Winter

Als dann viel zu spät der erwartete Schnee kam, haben wir voller Euphorie unsere Langlaufski ausgepackt, die Winteroveralls angezogen und die norwegischen Berg-Loipen aufgesucht – allerdings nicht ganz ohne Blessuren. In unseren warmen Winteranzügen wurden wir auch sofort als Touristen erkannt, die Norweger machen sich weniger Gedanken um Kleidung bei -10 Grad als wir, dafür hatten wir warm…..sehr warm beim Langlaufen. Die Schneeschuhwanderungen in den Bergen waren besonders schön, auch wenn es einer der kältesten Winter in Mittel-Norwegen war und insgesamt weniger Schnee hatte als in anderen Jahren. Dafür gab es bei dem vielen schönen Wetter auch mehr klaren Himmel um die Nordlichter zu sehen.

Jetzt bereiten wir uns langsam auf die nächste Etappe vor. Es geht weiter in den Norden, auch wenn wir wie immer wissen, dass sich unterwegs vieles ändern kann. Aktuell wollten wir im März auch schon nördlicher sein, zur Zeit knallt jedoch ein Tief nach dem anderen über den Atlantik und die lassen nicht mit sich reden.

Stjørdal war für uns mehr als nur ein Winterhafen. Für einige Monate wurde es ein kleines Zuhause – wir haben Bekanntschaften gemacht und uns wohlgefühlt.  Und genau das nehmen wir mit. Wir denken nicht, dass wir das letze mal hier waren.

Für alle, die einen kleinen Einblick in unsere Winterzeit hier bekommen möchten, haben wir die letzten Monate in einem kurzen Film festgehalten:

Entlang der norwegischen Küste – Zweite Etappe

Im Sommer 2025 segelten wir entlang der norwegischen Küste. Das Video gibt einen Einblick in diese Reise – in das Segeln selbst, das Leben an Bord und die Landschaften, die uns begleitet haben.

Unsere Route führte uns von Fjærland im Sognefjord bis nach Stjørdal im Trondheimfjord.

Viel Spass beim Anschauen!